Nachhaltigkeit zwischen Produktion und Immobilien
Müller Packaging
Nachhaltigkeit stellt die beiden Unternehmen der Müller Group vor unterschiedliche Herausforderungen. Während bei Müller Packaging der Energie- und Ressourcenverbrauch in der Produktion sowie die Emissionen der vorgelagerten Stahlerzeugung im Mittelpunkt stehen, setzt Müller Immo unter anderem auf erneuerbare Energien, energetische Sanierungen und die Förderung der Biodiversität.
Trotz der unterschiedlichen Tätigkeitsfelder verfolgen beide Unternehmen dasselbe übergeordnete Ziel: Die Umweltbelastung soll reduziert, die Energieeffizienz erhöht und die Nachhaltigkeit langfristig in den betrieblichen Entscheidungen verankert werden. Im Gespräch ordnet Roland Tanner die aktuellen Entwicklungen ein und erklärt, wo er die nächsten wichtigen Schritte sieht.
Herr Tanner, Sie verantworten sowohl Müller Packaging als auch Müller Immo. Wenn Sie die beiden Nachhaltigkeitsberichte nebeneinanderlegen: Was ist der gemeinsame rote Faden der Nachhaltigkeitsstrategie, und wo unterscheiden sich die wichtigsten Stellhebel der beiden Unternehmen?
Roland Tanner (Ta): Für beide Unternehmen stehen nachhaltige Energien im Vordergrund. An erster Stelle steht die Reduktion des Einsatzes CO₂-intensiver Energieträger, beispielsweise indem Öl und Gas durch Strom ersetzt werden. Zudem haben wir bei beiden Geschäftseinheiten PV-Anlagen realisiert, um Strom für den Eigenverbrauch zu produzieren.
Bei Wohngebäuden setzen wir zur Optimierung auch Batterien ein. Für die Industrie sind grössere Speichervolumen notwendig. Im Herbst 2026 realisieren wir deshalb für den Betrieb in Münchenstein und zur Netzstabilisierung einen Batteriespeicher mit 5,4 GWp.
Bei Müller Packaging entstehen die grössten Emissionen bereits bei der vorgelagerten Stahlerzeugung, während die direkt beeinflussbaren Scope-1-Emissionen aus der Produktion der Stahlfässer nur einen kleinen Teil ausmachen. Gleichzeitig ist die Bereitschaft der Kundschaft begrenzt, Mehrkosten für CO₂-reduzierten Stahl zu übernehmen. Wie wollen Sie diesen Zielkonflikt lösen und die Dekarbonisierung trotzdem vorantreiben?
Ta: Bei jedem Gespräch mit Kunden ist Nachhaltigkeit ein Thema. Über unsere langjährigen Stahllieferanten haben wir bereits die Möglichkeit, CO₂-reduzierten Stahl für die Fassproduktion zu verwenden. Bei der Herstellung des Stahls kommen dazu alternative Energien für die Stahlschmelzung, etwa Wasserstoff beziehungsweise H₂, sowie Recyclingstahl zum Einsatz.
Das Angebot steht, und wir versuchen, dafür Verständnis zu schaffen. Nachhaltigkeit kostet etwas. Beim Stahl bedeutet dies rund 25 Prozent Mehrkosten. Auf ein Fass bezogen sind es ungefähr 15 Prozent, was den Einkäufern bei unseren Kunden sehr hoch erscheint. Würden die Nachhaltigkeitsbekenntnisse unserer Kunden jedoch konsequent umgesetzt, lägen die Mehrkosten in Bezug auf das Füllgut im Fass zwischen 0,1 und 0,7 Prozent. Das wäre für viele unserer Kunden vertretbar.

Roland Tanner, Managing Director von Müller Packaging und Müller Immo, spricht über die grössten Hebel zur Senkung von Emissionen, den Umgang mit Zielkonflikten und darüber, wie Nachhaltigkeit in der Produktion, im Immobilienmanagement und gegenüber den Mitarbeitenden konkret umgesetzt wird.
© Müller Packaging
Der Energieverbrauch pro produziertem Gebinde hat sich in Münchenstein leicht verbessert, ist am Standort Reiden jedoch gestiegen. Was sind die Gründe für diese unterschiedliche Entwicklung, und mit welchen konkreten Massnahmen soll der Verbrauch in Reiden wieder sinken?
Ta: Einerseits sind in den vergangenen Jahren die Mengen und dadurch die Energieeffizienz in Reiden gesunken. Andererseits hat der Energiebedarf durch die Spezialisierung auf aufwändigere Prozesse verhältnismässig zugenommen. Dazu gehören beispielsweise mehr Innenlackierungen und kleinere Bestellmengen.
In Münchenstein sind die Mengen hingegen gleichbleibend. Dort haben wir bereits verschiedene Massnahmen zur Energieoptimierung umgesetzt. Dazu gehören elektrische Öfen, eine optimierte Abluft sowie eine zusätzliche Wärmerückgewinnung, die im Winter 95 Prozent der Gebäudeheizung abdeckt.
Müller Immo setzt in Aesch auf die Förderung der Biodiversität und in Arlesheim auf die energetische Erneuerung von zwei Mehrfamilienhäusern. Weshalb wurden gerade diese beiden Projekte ausgewählt? Anhand welcher Kriterien werden Sie beurteilen, ob sie ökologisch, wirtschaftlich und auch für die Mieterschaft erfolgreich sind?
Ta: In Aesch standen uns grosse ungenutzte Flächen zur Verfügung. Mit den gestalterischen Massnahmen wie Blumenwiese, Steinlinse, Rabatten, Wildhecke, Sandlinse, Gebäude, Wildstauden und Holzbeige wird die Biodiversität über die Jahre stark gefördert. Die älteren Gebäude sind bereits energetisch saniert und ihrem Alter entsprechend gut unterhalten.
In Arlesheim haben wir nach der Gebäudeisolation eine Komplettsanierung mit Umstellung auf elektrische Energie durchgeführt. Die Ölheizung wurde durch eine Wärmepumpe und die Gasherde durch elektrisch betriebene Herde ersetzt. Zudem wurde die elektrische Installation erneuert. Zusammen mit der PV-Anlage, der Batterie und einem zentralen Energieverrechnungssystem verfügen wir über eine ideale, nachhaltige und moderne Kombination.
Nachhaltigkeit betrifft neben Energie und Emissionen auch die Mitarbeitenden, etwa durch weniger Samstagsarbeit, Sprachkurse, Führungskräfte-Workshops und eine neue Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge. Welche Massnahme hat aus Ihrer Sicht bisher am meisten bewirkt, und welches konkrete Ergebnis möchten Sie im nächsten Nachhaltigkeitsbericht ausweisen können?
Ta: Für mich waren die Führungsworkshops für die Gruppenleiter am wichtigsten. Sie sind nahe an den Mitarbeitenden, und die wiederholte Schulung der Führungskräfte war uns wichtig. Gute Fachkräfte müssen nicht unbedingt gute Führungskräfte sein. Deshalb ist die Schulung in Führungsthemen für alle sehr wichtig.
Die Mitarbeitenden sind uns wichtig. Wir möchten deshalb eine Umfrage durchführen und die Rückmeldungen und Bedürfnisse in die Massnahmen einfliessen lassen.
Die beiden Nachhaltigkeitsberichte zeigen, dass ökologische Verbesserungen nicht auf einzelne Grossprojekte beschränkt sind. Sie entstehen vielmehr durch das Zusammenspiel von technischen Investitionen, effizienteren Prozessen, verantwortungsvoller Immobilienbewirtschaftung und einer Unternehmenskultur, die auch die Bedürfnisse der Mitarbeitenden berücksichtigt.
Mit den laufenden Projekten bei Müller Packaging und Müller Immo sind wichtige Schritte angestossen. Entscheidend wird nun sein, die Wirkung der Massnahmen messbar zu machen, die gewonnenen Erkenntnisse auf weitere Standorte und Immobilien zu übertragen und Nachhaltigkeit auch unter wirtschaftlich anspruchsvollen Rahmenbedingungen konsequent weiterzuverfolgen.
Roland Tanner, vielen Dank für das interessante Gespräch.
Hier haben Sie Zugriff auf die beiden Nachhaltigkeitsberichte.
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| Download Nachhaltigkeitsreporting Müller Packaging 2025 | Download Nachhaltigkeitsreporting Müller Immo 2025 |




